Trend zum Eigenheim verstärkt sich erneut – trotz Corona-Krise

  • Beitrag zuletzt geändert am:14. Februar 2024
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Ein Eigenheim ist teuer – dennoch meldet die Wohnungsbaubranche in der Corona-Krise hohe Umsätze. In Baden-Württemberg ist die Lage beispielhaft. Zudem erwarten die Bausparkassen zweistellige Wachstumsraten im Finanzierungsgeschäft.

Die Corona-Krise hat viele Menschen in Existenzsorgen gestürzt – doch der Trend zum kostspieligen Eigenheim hat sich trotzdem noch einmal verstärkt. Die Baubranche beziffert das Plus beim Wohnungsbau 2020 bundesweit auf vier Prozent. Und die Bausparkassen können sich vor Anfragen nach Baufinanzierungen kaum noch retten. Gestützt von einer erneut gewachsenen Nachfrage nach Wohneigentum und niedrigen Zinsen, melden sowohl der private als auch der öffentlich-rechtliche Sektor in diesem Bereich deutliche Zuwächse, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Bausparkassen erwarten Zuwachs von rund 15 Prozent

Der Chef des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Bernd Hertweck, erwarte bei den ausgezahlten Baugeldern zum Jahresende für die von ihm vertretenen Häuser ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2019. Damit dürfte die Marke von rund 30 Milliarden Euro geknackt werden.

Bei der Baufinanzierung repräsentieren die privaten Institute rund drei Viertel des Marktes. Den Rest teilen sich die öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen, die dieses Jahr in Summe ebenfalls mit einem Zuwachs von etwa 15 Prozent rechnen. 2019 hatten die Landesbausparkassen ihren Kunden insgesamt 10,8 Milliarden Euro an Baufinanzierungsgeldern ausgeschüttet.

Menschen setzen in Corona-Krise auf Wohneigentum

Die neuen Zahlen untermauern eine These, die in der Pandemie bestätigt wurde: In Krisenzeiten setzen die Menschen ungeachtet aller Existenzsorgen stärker denn je auf Wohneigentum. So vermeldet die Baubranche für den Wohnungsbau – im Gegensatz zu anderen Segmenten – ein Umsatzwachstum. Während die Bereitschaft von Industriekonzernen und Dienstleistungsbetrieben zu Investitionen in Bauprojekte schwinde, sehe es beim Wohnungsbau ganz anders aus.

„Der Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsgebieten hat sich nicht abgeschwächt“, betont der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner. „Aufgrund des durch Corona gestärkten Trends zum Homeoffice scheint eine eigene Immobilie noch erstrebenswerter.“

Baden-Württemberg als Paradebeispiel

In Baden-Württemberg wird der Trend zur eigenen Immobilie beispielhaft sichtbar. Zum Ende des dritten Quartals vermeldete die Baubranche im Wohnungsbau sowohl beim Umsatz als auch bei den Neuaufträgen ein deutliches Plus im Jahresvergleich. Der Wert der Auftragseingänge legte um satte 7,6 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro zu. Auch die Zahl der genehmigten Wohnungen und Wohnhäuser lag hier höher als 2019. „Trotz Corona-Krise, oder vielleicht gerade deshalb, investieren die Menschen verstärkt in die eigenen vier Wände. Das verspricht Sicherheit“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Thomas Möller.

Davon profitieren auch die Bausparkassen. Bei der Nachfrage nach Wohneigentum habe sich, entgegen vieler Einschätzungen von Experten, zu Beginn der Pandemie keinerlei Eintrübung ergeben, sagte eine Sprecherin der öffentlich-rechtlichen Institute. „Im Gegenteil: Die Nachfrage ist gestiegen, ebenso die Preise auf dem Immobilienmarkt.“ Hertweck, der auch Chef der Wüstenrot-Bausparkasse ist, urteilt, die Bundesbürger hätten sich zwar in der Corona-Pandemie in ihrem Konsum eingeschränkt und Geld zur Seite gelegt. Doch die eigenen vier Wände blieben klar im Trend. „Dafür ziehen viele immer öfter ins Umland von Großstädten und in ländlichere Gegenden.“

Geht die Rekordjagd so weiter?

Die Branche stellt sich erstmal auf weiteres Wachstum ein. Die Bauindustrie rechnet für 2021 im Bereich Wohnungsbau mit einem weiteren Umsatzplus von drei Prozent auf dann 52,6 Milliarden Euro. Auch Hertwecks Chef beim Stuttgarter Finanzkonzern Wüstenrot und Württembergische, Jürgen Junker, ist zuversichtlich: „Das Liebste des Deutschen ist – nach der Familie – neben dem Auto auch das Haus. Da werden viele zuletzt sparen.“

Tatsächlich aber könnte die Lage auch schnell kippen – etwa, wenn die für Deutschland wichtige Autobranche stärker kriseln sollte und im Extremfall auf einmal Zehntausende bestbezahlte Industriejobs in Gefahr geraten. „Was passieren würde, wenn es zu massenhaften Insolvenzen und einer schweren Rezession käme, steht auf einem anderen Blatt. Andererseits wird politisch alles dafür getan, dass Zahlungsschwierigkeiten nicht voll durchschlagen“, kommentierte die Sprecherin der Landesbausparkassen. „Und die positiven Aussichten, dass Corona mit einem Impfstoff schon Ende 2021 besiegt sein könnte, machen Hoffnung, dass das Schlimmste abgewendet werden kann.“

Quelle: SWR